Jüdisches Leben im mittelalterlichen Osnabrück – Der Berner Kleine Aruch als Zeugnis einer frühen Gemeinde Die Geschichte jüdischen Lebens in Osnabrück steht im Mittelpunkt eines Vortrags von Prof. Dr. Andreas Lehnertz aus Trier im Museumsquartier Osnabrück. Am 16. Juni um 18 Uhr widmet sich die Veranstaltung im Rahmen der Ausstellung „Van den Yoden“ dem sogenannten Berner Kleinen Aruch, einer außergewöhnlichen Handschrift aus dem späten 13. Jahrhundert.
Der Jude Anselm aus Osnabrück vollendete das Manuskript am 24. Januar 1290. Die Handschrift gilt als wichtiger Hinweis auf die feste Ansässigkeit jüdischer Menschen in Osnabrück bereits im 13. Jahrhundert. Beim Berner Kleinen Aruch handelt es sich um eine verkürzte Bearbeitung des ältesten erhaltenen Wörterbuchs des nachbiblischen Hebräisch-Aramäischen. Neben jüdisch-französischen und altjiddischen Einträgen enthält das Werk auch zahlreiche niederdeutsche Glossen, die sprachlich in den Osnabrücker Raum führen.
Diese niederdeutschen Begriffe machen etwa fünf bis sechs Prozent des verwendeten Materials aus. Häufig stammen sie aus der Tier- und Pflanzenwelt und spiegeln den alltäglichen Sprachgebrauch wider. Sie lassen erkennen, wie jüdische Familien, die ihre ursprünglich hochdeutsch geprägte Sprache beibehielten, zugleich niederdeutsche Sprachelemente für die Kommunikation mit ihren nichtjüdischen Nachbarn nutzten.
Der Vortrag geht den Fragen nach, warum die Handschrift angelegt wurde, wer sie nutzte und wie sie die Jahrhunderte überdauern konnte. Zugleich würdigt er die unterschiedlichen Bestandteile dieser vielschichtigen Sammelhandschrift und ihre Bedeutung für die Erforschung der jüdischen Geschichte Osnabrücks.